Verkehrswendebüro fordert: Innovative Mobilitätsanbieter brauchen eine wirtschaftlich stabile Perspektive / Ladeinfrastruktur anhand der Praxiserfordernisse ausbauen

Fachleute aus Wissenschaft, Praxis und Verbänden engagieren sich im Verkehrswendebüro für eine schnellere und konsequentere Umsetzung zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte. In einer Erklärung weist das Verkehrswendebüro auf die schwierige Lage vieler Anbieter im Bereich der neuen Mobilität und auf Fehlentwicklungen beim Aufbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos hin.

Sharing-Dienste in Existenznot / Staat und Kommunen müssen handeln

Alternativen zum Besitz eines privaten PKW und die Ergänzung des ÖPNV durch Mobilitätsdienste gelten als zentrale Elemente klimafreundlicher Verkehrspolitik. Als Folge der Pandemie stehen nun viele Angebote auf der Kippe. Hier sollten Staat und auch Kommunen schnell handeln.

Das Verkehrswendebüro fordert, die wirtschaftliche Perspektive dieser Dienste dadurch zu stärken, dass die öffentliche Hand ein digital abrufbares anbieterübergreifendes Voucher-System finanziell unterstützt und somit eine höhere Nachfrage nach klimafreundlichen Mobilitätsoptionen stimuliert. So würden Anreize für die Nutzung von Sharing-Fahrzeugen auf zwei und vier Rädern sowie von Ride-Sharing Diensten gesetzt.

Gemessen an der volumenstarken Unterstützung etwa der Luftfahrtbranche kann hier mit relativ geringen Mitteln eine für die Zukunft der Mobilität systemrelevante Branche gestützt werden.

Neben diesen dringend notwendigen finanziellen Impulsen sind schnell wirkende Rechtserleichterungen bei der Personenbeförderung erforderlich. Hier sind Bund und Länder gefordert, die jahrelange Hängepartie zu beenden, die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen zügig zu beschließen und damit den regulatorischen Flickenteppich im Bundesrecht endlich zu überwinden.

An die Kommunen appelliert das Verkehrswendebüro, zügig Pop-Up-Flächen für die Platzierung von mehr Leihfahrzeugen zu schaffen.
 
Ausrichtung beim Ausbau der Ladeinfrastruktur am Bedarf orientieren

Für den Aufbau von Ladesäulen für Elektrofahrzeuge werden in Konjunkturprogrammen des Bundes, einiger Länder und auch der EU aus guten Gründen erhebliche Fördermittel bereitgestellt. Die Fachleute des Verkehrswendebüros warnen zum Start in diese entscheidende Investitionsphase vor einer falschen Ausrichtung. Sie kritisieren eine Überbetonung der Ultra-Schnellladeangebote und unzureichendes Engagement für das Normalladen an den Wohnstandorten und auf Betriebsparkplätzen. Hier fehle es nicht nur an finanzieller Förderung, sondern auch an den notwendigen gesetzlichen Regelungen im Wohnungseigentums- und Mietrecht.

Die Politik des Bundes richtet sich zu stark auf den Ladebedarf von sehr leistungsstarken Elektroautos und auf Fernfahrten aus. Das alltägliche Ladeverhalten von Elektrofahrzeugbesitzern werde vernachlässigt und der Aufbau eines intelligenten Systems zum Laden von E-Fahrzeugen zu wenig unterstützt.

Das Verkehrswendebüro hält es für geboten, den Bedarf für einen weiteren Ausbau und eine Nachverdichtung von Ladesäulen auf Grundlage der tatsächlich vorhandenen Infrastruktur zu ermitteln.

Verschiedene Erhebungen hätten gezeigt, dass die Datenbank der Bundesnetzagentur die Situation nur unzureichend abbildet. Das Angebot sei deutlich besser als offiziell verkündet. Es sei nach einer Dekade der staatlichen Förderung nicht erklärbar, dass immer noch kein vollständiges Verzeichnis der öffentlich zugänglichen Lademöglichkeiten vorhanden sei.

Kritik äußert das Verkehrswendebüro an der intransparenten Preisgestaltung einiger Anbieter. Zudem appelliert das Verkehrswendebüro an Betreiber von Ladesäulen, diese ausreichend zu warten und Störungen schneller zu beheben.

Mit dieser Forderung reagiert das Verkehrswendebüro auf eine steigende Zahl von Beschwerden von Nutzer*innen von Elektrofahrzeugen.

Kontakt: verkehrswendebuero@wzb.eu